Sprechzeiten
MO
DI
MI
DO
FR
8:00-12:00 und 13:00-17:00
8:00-12:00 und 13:00-17:00
8:00-13:00
8:00-12:00 und 14:00-19:00
8:00-12:00 und 13:00-17:00

Lehr- und 

Übungsvideos

 

DIE 10 HÄUFTIGSTEN LAUFVERLETZUNGEN:

> Achillessehnenschmerzen

> Alle Verletzungen im Überblick

 

ÜBUNGSPROGRAMME BEI:

> Patellaspitzensyndrom

> Achillessehne




EXPERTISE – BEHANDLUNGSSCHWERPUNKT

Achillessehne – Sehnenschmerzen (Midportion-Tendinopathie)

Die Midportion-Tendinopathie ist als häufgste Sehnenerkrankung der Achillessehne an ihrer schwächsten Stelle (midportion = mittlerer Abschnitt) lokalisiert und zumeist Folge einer chronischen Überlastung. Am besten beschrieben werden kann der Krankheitsprozess mit den Schlagworten „gestörte Sehnenregeneration“. Je nach Stadium der Erkrankung finden sich reversible oder bereits dauerhafte degenerative Veränderungen dieses midportion-Bereiches.


VIDEOREIHE

Folge 1

Achillessehnenschmerzen behandeln



Synonyme

Achillessehnentendinopathie, midportion achilles tendinopathy, noninsertional achilles tendinopathy 



Ähnlich lautende Begriffe

Akute und chronische Achillessehnenruptur, Achillobursitis (Entzündung des subachillären oder oberflächlichen Schleimbeutels), Paratendinopathie der Achillessehne (Überlastungsreaktion des Sehnengleitgewebes), Insertionstendinopathie (auch Enthesiopathie genannt), Achillessehnentendinose (Degeneration der Achillessehne: kann mit o.g. Krankheiten einhergehen) 



Differentialdiagnosen

Insertionstendinopathie der Achillessehne, Schleimbeutelentzündung der Achillessehne, Paratendinopathie der Achillessehne



Landläufiger Name

Im Volksmund wird zumeist von einer Achillessehnenentzündung gesprochen. Eine Bezeichnung, die in der Regel nicht ganz korrekt das Krankheitsbild beschreibt: Ein entzündliches Geschehen ist zwar vermutlich in der Entstehung der Tendinopathie beteiligt (1), ein klassisches entzündliches Krankheitsbild ist die Achillessehnen-Tendinopathie aber nicht.



Anatomie

  • Größte und kräftigste Sehne des menschlichen Körpers (11–26 cm lang).

  • Tragkraft von bis zu 1 Tonne.

  • Midportion ist dünnster und verletzungsanfälligster Bereich.

Jede Sehne besteht aus mehreren Faszikeln. Jeder Faszikel besteht wiederum aus vielen Kollagenfasern, welche sich aus Fibrillen und Subfibrillen zusammensetzen. Die kleinsten Einheiten sind die sogenannten Tenozyten (Sehnenzellen) und die extrazelluläre Matrix, welche sogenanntes Tropocollagen enthält. Die streng hierarchische Anordnung der Strukturen führt zur enormen Widerstandsfähigkeit von gesundem Sehnengewebe.   

 

Die Achillessehne ist die gemeinsame Ansatzsehne der Wadenmuskulatur (M. soleus, M. gastrocnemius) an der Ferse. Mit einer Tragkraft von knapp einer Tonne (2) ist sie die größte und kräftigste Sehne des menschlichen Körpers. Die Achillessehne hat eine durchschnittliche Länge von etwa 15 cm. (3) Grob kann sie in drei klinisch relevante Abschnitte eingeteilt werden: 

  1. Der „muskulotendinöse Übergang“ ist der Bereich, in welchem die Wadenmuskulatur in Sehnengewebe übergeht. Mit einer Breite von im Schnitt etwa 6,8 cm ist dies der kräftigste Teil der Sehne.
  2. Die Insertion stellt den knöchernen Ansatz der Achillessehne an der Ferse dar und ist mit durchschnittlich 3,4 cm der zweitdickste Bereich.
  3. Der Teil zwischen den eben genannten wird auch als Midportion bezeichnet. Mit ca. 1,8 cm ist sie der zarteste und verletzungsanfälligste Bereich. Diese Tatsache ist nicht zuletzt der schlechteren Durchblutungssituation dieses Bereiches geschuldet. (4, 5) 

ACHILLESSEHNE

Die stärkste Sehne des Körpers ist leider sehr verletzungsanfällig.



Risikofaktoren, Stadien und Diagnostik

Fallbeispiel: Klaus W. (57 J.) läuft nun seit 13 Jahren. Anfangs zweimal die Woche und steigerte sich vor 6 Jahren bis zu seinem ersten Marathon. Dieses Jahr stand Klaus vor seinem 5. Marathon und wollte endlich unter 4 Stunden laufen. Das Trainingspensum wurde abrupt verdoppelt, Bergläufe und Intervalltraining machten plötzlich einen großen Teil seines Trainings aus. Vor einigen Monaten begann dann seine rechte Achillessehne zu schmerzen. Anfangs war es nur ein „Ziehen“, das sich nach einigen Minuten „rausgelaufen“ hatte. Jetzt sind die Schmerzen so stark, dass an Laufen nicht zu denken ist. Beim morgendlichen Aufstehen ist der Schmerz unerträglich.  Klaus stellt sich beim Sportarzt vor. Dieser diagnostiziert eine Midportion-Tendinopathie...


Epidemiologie

5% betroffener Profisportler müssen wegen der Achilles-
sehne die Karriere beenden.

Handeln Sie effektiv. Vereinbaren Sie einen Beratungstermin unter:
0511 984 25 27 - 0.

Die Achillessehne ist verletzungsanfälliger als Sehnen von Muskeln, die nur über ein Gelenk ziehen: Der Zwillingswadenmuskel (M. gastrocnemius), der in die Achillessehne mündet, zieht gleich über drei Gelenke (Kniegelenk, oberes Sprunggelenk, unteres Sprunggelenk) und ist damit besonderem mechanischen Stress ausgesetzt (6): Obwohl sie die dickste und kräftigste Sehne des menschlichen Körpers ist, gibt es nur 2 Sehnenkomplexe, die häufiger reißen: die Rotatorenmanschette der Schulter und die Quadrizepssehne.  

 

Mit etwa 50–65 % stellt die Midportion-Tendinopathie die häufigste Verletzung der Achillessehne dar. (7) Gehäuftes Auftreten konnte bei 35–45 jährigen Männern festgestellt werden. (8, 9) Ein großer Teil der Betroffenen sind Sportler, vor allem in Sprung- und Laufsportarten. Der Laufsport ist hiervon besonders betroffen: So sind beispielsweise bis zu 50 % der professionellen Läufer von einer Tendinopathie der Achillessehne betroffen. Im Breitensportbereich variieren die Angaben in Bereichen um die 10 %. Trotz der Assoziation zur Überlastung beim Sport, führen 30 % der Patienten einen inaktiven Lebensstil, oft mit sitzenden Tätigkeiten. (10)

Mit 50–65% ist die Midportion-Tendinopathie die häufigste Verletztung der Achillessehne.



Risikofaktoren

60–70 % aller nicht-traumat. Lauf- verletzungen gehen auf Trainingsfehler zurück! (35)

Mit einem guten Trainigsplan lässt sich das vermeiden. Werfen Sie dafür einen Blick in die Laufbibel oder auf unsere weiterführenden Links.

Hier lassen sich beeinflussbare von nicht beeinflussbaren Faktoren unterscheiden:

 

Beeinflussbar:

  • Inaktivität
  • Übertraining
  • Übergewicht
  • Ernährung
  • Trainingsfehler

Inaktivität lässt die Sehne altern: Sie ist schlechter durchblutet, degeneriert schneller und ist verletzungsanfälliger! (11, 12) Sport ist Mord? Das stimmt nicht. Auch Übergewicht ist ein beeinflussbarer Risikofaktor für die Achillessehnentendinopathie. 

 

Aber: Das richtige Maß ist gefragt. Studien haben gezeigt, dass der häufigste unmittelbare Auslöser von Überlastungsverletzungen der Achillessehne eine inadäquat schnelle Steigerung der Trainingsintensität, der -umfänge oder ein schneller Wechsel der Bodenbeläge ist. (13, 14) Das ist streng genommen dann kein Risikofaktor, sondern der Tropfen, der das (bereits gefüllte) Fass zum Überlaufen bringt. Eine gute Trainingsplanung, und –zusammensetzung ist also das A und O für Ihre Sehnengesundheit. 

 

Gegenstand aktueller Forschung ist unter anderem die Frage nach dem Einfluss der Ernährung auf Heilungsprozesse des Sehnengewebes. (15)  

In Ratten konnte beispielsweise ein positiver Einfluss von Vitamin C auf die Sehnenregeneration gezeigt werden. (16) 

 

Nicht/nur bedingt beeinflussbar:

  • Steigendes Lebensalter
  • Veränderte Insulin- oder Cortisonspiegel
  • Vorfuß-Varus-Stellung
  • Überpronation des Rückfußes

Mit steigendem Lebensalter verändert sich die Zusammensetzung der Sehne, sie verliert an Elastizität und Stärke und wird anfälliger für Verletzungen. (17) Veränderte Hormonspiegel, beispielsweise von Insulin oder Cortison – sei es durch Grunderkrankungen wie Diabetes oder Schilddrüsenunterfunktion, durch Mangelernährung oder durch Medikamenteneinnahme – beschleunigen durch veränderte Hormonspiegel den Alterungsprozess der Sehne. (17, 18)  

 

Es konnten außerdem Zusammenhänge zwischen Fußfehlstellungen und einer Tendinopathie der Achillessehne gefunden werden: Sowohl bei Vorliegen einer sogenannten Vorfuß-Varus-Stellung (19, 20) als auch einer Überpronation des Rückfußes zeigte sich ein gehäuftes Auftreten der Achillessehen-Tendinopathie. (21) 

 



Beschwerden

  • Morgensteifigkeit
  • Anlaufschmerz
  • Schmerzen nach dem Training

Die Midportion-Tendinopathie zeigt sich meist initial durch Steifigkeit am Morgen und sogenannte Anlaufschmerzen sowie lokalen Druck- und Dehnungsschmerz. Unter moderater Belastung (zum Beispiel lockeres Laufen oder Gehen) verbessert sich die Symptomatik zunächst. Nach Beendigung der Aktivität kehrt der Schmerz zurück.  

 

Akute entzündliche Prozesse, zum Beispiel wie bei einer deutlich seltener auftretenden Achillobursitis, zwingen die Patienten meist in eine sogenannte Spitzfußstellung, das heißt die Dehnung der Sehne sowie Druck auf die Sehne und damit mechanischer Stress wird schmerzbedingt vermieden.



Stadien und Verlauf

Die Midportion-Tendinopathie, von einer zunehmenden Degeneration (Tendinose) begleitet, zeigt einen chronischen Verlauf.

Die Sehnendegeneration lässt sich grundsätzlich in 3 Stadien einteilen:  

 

1. Reaktive Sehnenpathologie (Überlastungsreaktion)

2. Sehnen-Dysrepair (ausbleibende Heilung)
3. Endstage-Degeneration  

 

Bei dieser zellbasierten Theorie (22) wird davon ausgegangen, dass sich das Sehnengewebe zumindest in frühen Stadien wieder regenerieren kann. Auslöser ist eine übermäßige mechanische Beanspruchung, die die Sehne „überfordert“ und zu einer Reaktion der Tenozyten (Sehnenzellen), sowie der umgebenden Extrazellulären Matrix führt.  

 

In der Phase der Überlastungsreaktion (Stadium 1) verdickt sich die Sehne und versucht, durch Zellproliferation und Einbau von Proteinen der Belastung standzuhalten. Das Kollagen zeigt sich hingegen intakt.  

Es folgt die Phase des Sehnen-Dysrepair (Stadium 2), bei der es unter anhaltender Belastung zur Desorganisation der Kollagenmatrix sowie zur Veränderung der Kollagenzusammensetzung kommt. Dies führt zu einer verminderten Belastbarkeit der Achillessehne, was wiederum zur Folge hat, dass nun eine geringere mechanische Beanspruchung als vorher bereits eine Überlastung darstellt. Es entsteht ein circulus vitiosus, der unbehandelt im Endstadium (Stadium 3; Endstage-Degeneration) mündet. Hier ist die Regenerationsfähigkeit des Sehnengewebes begrenzt: Es zeigen sich starke Veränderungen der extrazellulären Matrix, vor allem des Kollagens, sowie Neubildungen von Gefäßen (Neovaskularisationen), die in das Sehnengewebe einwachsen. (23)



Diagnostik und Bildgebung

Zunächst stehen die meist typische Anamnese, sowie die körperliche Untersuchung durch die Ärztin oder den Arzt im Vordergrund. Oft lässt sich die Diagnose sowie einige der potenziellen Auslöser schon ohne weitere Maßnahmen identifizieren. 

 

Eine  Schlüsselrolle nimmt die Identifikation von Risikofaktoren ein. Diese ist essenziell, um ein vollumfängliches Therapiekonzept erstellen zu können, ohne Dinge zu übersehen, die den Erfolg der Therapie stören könnten. Ergänzende Bewegungsanalysen, Fußdruckmessungen, Beweglichkeits- und Krafttestungen können wertvollen Aufschluss über Technik-Fehler, muskuläre Defizite oder vorhandene Dysbalancen geben. Schuhanalyse und Analyse eventuell vorhandener Einlagen können potenzielle Fehlversorgung oder unpassendes Schuhwerk identifizieren.  

 

Der nächste Schritt sollte eine sonographische Untersuchung (Ultraschall) der Achillessehne sein. Hier kann die Struktur der Sehne und des umgebenden Gleitgewebes  beurteilt werden. Wie oben beschrieben können einzelne Stadien erkannt werden: Verdickung, Auseinanderweichen und Auflockerung der Kollagenstruktur sowie Neovaskularisationen je nach Stadium der Tendinose. Interessant: Es konnte eine Korrelation zwischen Grad der Neovaskularisationen und Beschwerdesymptomatik gezeigt werden. (24) 

Veränderungen im Bereich des knöchernen Ansatzes sind allerdings in der Sonographie meist schwer zu identifizieren. In diesem Falle, sowie bei Unklarheiten sollte eine MRT-Untersuchung durchgeführt werden. 



Therapieformen bei Midportion-Tendinopathie

Die Achillessehne ist die größte und kräftigste Sehne des Körpers und kann doch – gerade bei Läufern – sehr anfällig für Verletzungen sein. Wie behandelt man sie richtig? Finden Sie hier Tipps und ausgewählte Übungen zur optimalen Versorgung Ihrer verletzten Achillessehne von Dr. Marquardt, dem Experten für Sehnentherapie.


Therapie

Über 80 % Besserung durch konservative Therapie.

Die Therapie der Midportion-Tendinopathie sollte multimodal gestaltet werden und folgende Therapie-Säulen enthalten: 

  1. Identifikation und Elimination von Risikofaktoren und Auslösern
  2. Aktive konservative Therapie (aktiver Patient) (Exzentriktraining, Dehnung, Detonisierung)
  3. Passive konservative Therapie (passiver Patient) (ESWT, ACP/PRP, high-volume-injection, Sklerosierung)
  4. Ultima ratio: Chirurgische Therapie 

Im Rahmen der Therapie ist es wichtig, zunächst alle beeinflussbaren Risikofaktoren oder Auslöser, wenn möglich, zu eliminieren: Eine Reduktion der mechanischen Belastung der Sehne ist meist auf verschiedenen Wegen möglich. 

 

8 Tipps zur Vermeidung unnötiger Risikofaktoren:

  • Gewichtsabnahme bei Übergewicht
  • Optimierung des Schuhwerkes
  • Unterstützung bei Fußfehlstellungen durch Einlagenversorgung
  • Gezieltes Muskeltraining bei muskulären Dysbalancen
  • Detonisierung hypertoner Wadenmuskulatur durch Dehnung und Blackroll®-Training
  • Optimierung der Trainingsbelastung durch individuelle Trainingspläne
  • Belastungspausen in Akutphasen
  • Verbesserung der Lauftechnik durch Analyse und Techniktraining

 

Der wohl wichtigste Baustein aus der Kategorie der aktiven konservativen Therapie der Midportion-Tendinopathie ist das Exzentrische Krafttraining der Wadenmuskulatur (25).  Nach den Erstbeschreibern Alfredson et al. sind die Übungen über 3 Monate an 7 Tagen in der Woche zweimal täglich durchzuführen (je 3 Sätze à 15 Wdh. mit gestrecktem Knie und leicht gebeugtem Knie).  

 

Hier 4 offensichtliche Vorteile:

 

1. Geringe Kosten

2. Leicht selbst durchzuführen

3. Wenig Zeitaufwand

4. Effektivste Therapie laut Studienlage  

 

Die Stoßwellentherapie (ESWT = Extrakorporale Stoßwellen-Therapie) konnte ähnliche Ergebnisse zeigen und wird ebenfalls standardmäßig als Therapie der Midportion-Tendinopathie eingesetzt. 

Andere Studien konnten zeigen, dass die Kombination aus Exzentriktraining der Wadenmuskulatur und Stoßwellentherapie die Ergebnisse noch verbessern konnte. (26) 

 

Eine weitere Alternative bei fortgeschrittener Degeneration ist die Sklerosierungstherapie: Ultraschallgesteuert wird ein Medikament namens Polidocanol (Wirkstoff: Aethoxysklerol) unter Sichtkontrolle in den Bereich mit fortgeschrittener Gefäßneubildung injiziert. Es zeigte sich, dass eine Reduktion der Neovaskularisation auch eine Schmerzreduktion bedeuten kann. (27) Forscher konnten teilweise eine vergleichbare Wirksamkeit wie bei chirurgischem Vorgehen beobachten. (28) (29) 

 

Auch für die sogenannte PRP- (plateled rich plasma) oder ACP- (autologous conditioned plasma) Therapie gibt es in neueren Studien positive Hinweise für dessen Wirksamkeit. (30) Hierbei wird ein thrombozytenreiches (Blutplättchen zur Blutstillung) Plasma nach Blutabnahme und Zentrifugierung in den degenerierten Bereich injiziert: Mithilfe von körpereigenen Wachstumsfaktoren kann die Regeneration der Sehne gefördert werden.  

 

Auch ein additiver Einsatz von Flossing und Kinesiotaping ist im Spitzensport bewährte Praxis und kann richtig eingesetzt eine gute Unterstützung darstellen. 

 

Chirurgisches Vorgehen, also die 4. Säule der Therapie, ist therapieresistenten Verläufen vorbehalten. Dies sollte in der Therapie der Midportion-Tendinopathie erst diskutiert werden, wenn konservative Maßnahmen vollends ausgeschöpft sind. Ziel verschiedener Verfahren ist es, die degenerierten Anteile des Gleitgewebes zu entfernen und die Sehne zu debridieren („säubern“) bzw. zu augmentieren („verstärken“). 

Es wird zwischen klassischen offenen Verfahren und neueren minimalinvasiven Ansätzen unterschieden. Beide Verfahren zeigen gute Ergebnisse mit Zufriedenheitsraten von jeweils über 80 %. Es konnte gezeigt werden, dass minimalinvasive Verfahren mit 5 % gegenüber 10 % bei offenen Verfahren weniger postoperative Komplikationen aufweisen. (31)



Prognose

  • Besserung durch konservative Therapie bei über 80%.
  • Schmerzreduktion allein durch Exzentriktraining um 60%.
  • Zufriedenheitsraten nach OP: über 80%.

Im Schnitt kommt es allein mit konsequentem Exzentriktraining zu einer Schmerzreduktion um 60 %. (32) Teilweise konnten in Studien sogar eine Reduktion des Schmerzlevels um bis zu 94 % gezeigt werden. (33) Konservative Kombinationstherapien konnten in über 80 % deutliche Besserung oder sogar eine Heilung erzielen. (26)


Aber: Bei bis zu 5 % der betroffenen Profisportler erzwang die Achillessehne sogar ein vorzeitiges Karriereende. (34)


Insgesamt handelt es sich also bei der Midportion-Tendinopathie um eine hartnäckige, zur Chronifizierung neigende, Sportverletzung, die nicht zu unterschätzen ist. In den richtigen Händen und mit genügend Disziplin des Betroffenen ist sie konservativ gut behandelbar. Entscheidend ist hierbei ein multimodaler frühzeitiger Therapieansatz und das Vermeiden oder Ausschalten von Risikofaktoren. Auch operative Therapieansätze zeigen Zufriedenheitsraten von über 80 %. Angesichts der höheren Komplikationsraten gegenüber konservativem Management sollte die konservative Therapie vor einer chirurgischen Intervention vollständig ausgeschöpft werden.



Tipp von Dr. Marquardt

Chirurgische Eingriffe sollten erst in Erwägung gezogen werden, wenn konservative Maßnahmen vollends ausgeschöpft sind!

 

Mit der Stoßwellentherapie (ESWT = extracorporal shockwave therapy) lassen sich hartnäckige Sehnenprobleme erfolgreich behandeln. In der Orthopädie und Sportmedizin zählt die Midportion-Tendinopathie zu den typischen Indikationen für eine Stoßwellentherapie. Die Studienlage zeigt deutliche positive Hinweise für dessen Wirksamkeit, insbesondere in Kombination mit Exzentriktraining! 

Schon gewusst?

Es gibt 2 verschiedene Arten von Stoßwellentherapie: Fokussierte und radiäre Stoßwelle. Beide Verfahren unterscheiden sich unter anderem durch die erzielte Eindringtiefe, ein kombinierter Einsatz erscheint also sinnvoll, um möglichst große Teile des betroffenen Sehnengewebes zu erreichen.


Muss ich sofort zum Arzt?

Das klingt schon wie eine rhetorische Frage... Wenn Sie so fragen: Natürlich nicht. Der wichtigste Therapie-Ansatz bei Achillodynie (schmerzhafte Achillessehne) ist das sogenannte Exzentrische Krafttraining der Wadenmuskulatur. Kombiniert mit Dehnung, Blackrolltraining und intelligenten Trainingspausen (s. auch Trainingsprogramm in der Laufbibel) können Sie neu aufgetretene Beschwerden oft selbst in den Griff bekommen.

Es wird nicht besser? Dann bitte schnell zum Arzt, um eine Chronifizierung zu verhindern. Denn: Frühe Stadien sind noch reversibel! Es gilt nun, der Ursache auf den Grund zu gehen und eventuelle Risikofaktoren und Ursachen zu identifizieren:

  • Passt die Trainingsbelastung?
  • Ist das Schuhwerk das richtige?
  • Brauche ich vielleicht Einlagen?
  • Habe ich muskuläre Defizite oder lässt sich meine Lauftechnik optimieren?
  • Habe ich vielleicht etwas anderes oder hängt das mit meinen Grunderkrankungen zusammen?

VORSICHT: Zögern Sie mit dem Arztbesuch nicht zu lange, es besteht eine Chronifizierungsgefahr!


Übungsprogramm

Neben den ärztlichen und therapeutischen Behandlungen können Sie sich auch selbst um die effektive Heilung Ihrer Beschwerden kümmern. Sie finden hier die Auswahl der besten Übungen von Dr. Marquardt und seinem Therapeutenteam:


ÜBUNG 1

Exzentrik an der Treppe: Wadenheber

Stellen Sie sich einbeinig auf eine Treppenstufe, die Ferse schaut hinten über. Das jeweils andere Bein hängt frei an der Seite herunter oder wird an der zu trainierenden Wade abgelegt. Senken Sie die Ferse so tief wie möglich ab, sodass Spannung in der Wade entsteht. Drücken Sie sich in den Zehenstand und senken Sie den Fuß anschließend bewusst sehr langsam, erneut bis zur Dehnung der Wadenmuskulatur und drücken Sie sich anschließend wieder nach oben in den Zehenstand. Halten Sie sich währenddessen am Geländer fest.

Führen Sie die Übung anschließend auf der anderen Seite durch.

Wiederholungszahl: 6 x 15 je Seite (täglich) für 12 Wochen



ÜBUNG 2

Dehnung der oberen und unteren Wadenmuskulatur

Zur Dehnung der oberen Wadenmuskulatur stellen Sie sich mit einem Ausfallschritt an eine Wand. Das hintere Bein wird gestreckt. Das Gewicht verlagern Sie auf das vordere Bein. Der Fuß wird mit der Ferse auf den Boden gedrückt und zeigt gerade nach vorn, er wird nicht nach außen rotiert. Mit den Armen stützen Sie sich an der Wand ab und schieben die Hüfte nach vorn. Sie spüren die Dehnung in der oberen Wadenpartie.

 

Zur Dehnung der unteren Wadenmuskulatur stellen Sie sich mit einem kürzeren Ausfallschritt an eine Wand. Das hintere Bein wird gebeugt. Das Gewicht verlagern Sie darauf. Der Fuß wird mit der Ferse auf den Boden gedrückt und zeigt gerade nach vorn, er wird nicht nach außen rotiert. Mit den Armen stützen Sie sich an der Wand ab und schieben das Knie des zu dehnenend Beines nach vorne unten. Achten Sie darauf, dass die Ferse während der gesamten Dehnung auf dem Boden bleibt. Sie spüren die Dehnung in der unteren Wadenpartie.

 

Wiederholungsanzahl:

3 x 30–60 Sek. halten



ÜBUNG 3

Blackroll für die Wadenmuskulatur

Setzen Sie sich mit ausgestreckten Beinen auf den Boden und kreuzen Sie ein Bein über das andere. Platzieren Sie die Blackroll unter der Wade des unteren Beins. Stützen Sie sich mit Ihren Armen ab. Rollen Sie nun Ihre Wade von der Kniekehle bis zur Achillessehne. Achten Sie darauf, dass die Füße locker hängen gelassen werden! 

 

Wiederholungsanzahl:

10 x vor- und zurückrollen



Weiterführende Infos

Eine gute Trainingsplanung ist das A und O für die Sehnengesundheit. Hier finden Sie weitere hilfreiche Quellen oder Sie machen einfach einen Termin in unserer Praxis. Wir helfen Ihnen gerne.


Trainingsequipment

Die Laufbibel

Das Standardwerk für gesundes Laufen 

Blackroll®

Massieren Sie sich selbst.

Übungen mit der Blackroll®.



Behandlung

Vereinbaren Sie mit uns einen Termin.

Wir helfen Ihnen kompetent und mit neusten Behandlungstechniken, damit Ihre Verletzung bald der Vergangenheit angehört.

Gute Besserung.



QUELLEN

(1) Battery L, Maffulli N. Inflammation in overuse tendon injuries. Sports Med Arthrosc Rev. 2011;19(3):213-7. 

(2) Schünke M, Schulte E, Schumacher U, Voll M, Wesker K. Prometheus Allgemeine Anatomie und Bewegungssystem, 2. überarbeitete und erweiterte Auflage. Thieme, Stuttgart, NewYork, S; 2014.

(3) Del Buono A, Chan O, Maffulli N. Achilles tendon: functional anatomy and novel emerging models of imaging classification. Int Orthop. 2013;37(4):715-21.

(4) Theobald P, Benjamin M, Nokes L, Pugh N. Review of the vascularisation of the human Achilles tendon. Injury. 2005;36(11):1267-72.

(5) O'Brien M. The anatomy of the Achilles tendon. Foot Ankle Clin. 2005;10(2):225-38.

(6) Cohen JC. Anatomy and biomechanical aspects of the gastrocsoleus complex. Foot Ankle Clin. 2009;14(4):617-26.

(7) Jarvinen TA, Kannus P, Maffulli N, Khan KM. Achilles tendon disorders: etiology and epidemiology. Foot Ankle Clin. 2005;10(2):255-66. 

(8) Cook JL, Purdam C. Is compressive load a factor in the development of tendinopathy? (1473-0480 (Electronic)).

(9) Alfredson H, Lorentzon R. Chronic Achilles tendinosis: recommendations for treatment and prevention. Sports Med. 2000;29(2):135-46.

(10) Longo UG, Ronga M Fau - Maffulli N, Maffulli N. Achilles tendinopathy. (1538-1951 (Electronic)).

(11) Diamant J Fau - Keller A, Keller A Fau - Baer E, Baer E Fau - Litt M, Litt M Fau - Arridge RG, Arridge RG. Collagen; ultrastructure and its relation to mechanical properties as a function of ageing. (0950-1193 (Print)).

(12) Woo Sl Fau - Gomez MA, Gomez Ma Fau - Woo YK, Woo Yk Fau - Akeson WH, Akeson WH. Mechanical properties of tendons and ligaments. II. The relationships of immobilization and exercise on tissue remodeling. (0006-355X (Print)).

(13) Hess GP, Cappiello Wl Fau - Poole RM, Poole Rm Fau - Hunter SC, Hunter SC. Prevention and treatment of overuse tendon injuries. (0112-1642 (Print)).

(14) James SL, Bates BT, Osternig LR. Injuries to runners. The American journal of sports medicine. 1978;6(2):40-50.

(15) Curtis L. Nutritional research may be useful in treating tendon injuries. (1873-1244 (Electronic)).

(16) Omeroglu S, Peker T Fau - Turkozkan N, Turkozkan N Fau - Omeroglu H, Omeroglu H. High-dose vitamin C supplementation accelerates the Achilles tendon healing in healthy rats. (1434-3916 (Electronic)). 

(17) Tuite DJ, Renström P, O'Brien M. The aging tendon. Scandinavian journal of medicine & science in sports. 1997;7(2):72-7. 

(18) Hamlin CR, Kohn RR, Luschin JH. Apparent accelerated aging of human collagen in diabetes mellitus. Diabetes. 1975;24(10):902-4. 

(19) Clement Db Fau - Taunton JE, Taunton Je Fau - Smart GW, Smart GW. Achilles tendinitis and peritendinitis: etiology and treatment. (0363-5465 (Print)). 

(20) Kvist M. Achilles tendon injuries in athletes. (0355-9521 (Print)). 

(21) Segesser B Fau - Nigg BM, Nigg BM. [Tibial insertion tendinoses, achillodynia, and damage due to overuse of the foot-etiology, biomechanics, therapy (author's transl)]. (0085-4530 (Print)). 

(22) Cook JL, Purdam CR. Is tendon pathology a continuum? A pathology model to explain the clinical presentation of load-induced tendinopathy. Br J Sports Med. 2009;43(6):409-16. 

(23) Becher C, Camathias C, Cook J, Doral MN, Eder K, Engelhardt M, et al. Die Sehne: Leitfaden zur Behandlung von Sehnenpathologien: Walter de Gruyter GmbH & Co KG; 2017. 

(24) Divani K, Chan O, Padhiar N, Twycross-Lewis R, Maffulli N, Crisp T, et al. Site of maximum neovascularisation correlates with the site of pain in recalcitrant mid-tendon Achilles tendinopathy. Man Ther. 2010;15(5):463-8. 

(25) Sussmilch-Leitch SP, Collins NJ, Bialocerkowski AE, Warden SJ, Crossley KM. Physical therapies for Achilles tendinopathy: systematic review and meta-analysis. J Foot Ankle Res. 2012;5(1):15. 

(26) Rompe JD, Furia J, Maffulli N. Eccentric loading versus eccentric loading plus shock-wave treatment for midportion achilles tendinopathy: a randomized controlled trial. Am J Sports Med. 2009;37(3):463-70. 

(27Alfredson H, Ohberg L. Sclerosing injections to areas of neo-vascularisation reduce pain in chronic Achilles tendinopathy: a double-blind randomised controlled trial. Knee Surg Sports Traumatol Arthrosc. 2005;13(4):338-44. 

(28) Lind B, Ohberg L, Alfredson H. Sclerosing polidocanol injections in mid-portion Achilles tendinosis: remaining good clinical results and decreased tendon thickness at 2-year follow-up. Knee Surg Sports Traumatol Arthrosc. 2006;14(12):1327-32. 

(29) Alfredson H, Ohberg L, Zeisig E, Lorentzon R. Treatment of midportion Achilles tendinosis: similar clinical results with US and CD-guided surgery outside the tendon and sclerosing polidocanol injections. Knee Surg Sports Traumatol Arthrosc. 2007;15(12):1504-9. 

(30) Miller LE, Parrish WR, Roides B, Bhattacharyya S. Efficacy of platelet-rich plasma injections for symptomatic tendinopathy: systematic review and meta-analysis of randomised injection-controlled trials. BMJ Open Sport Exerc Med. 2017;3(1):e000237. 

(31) Lohrer H, David S, Nauck T. Surgical treatment for achilles tendinopathy – a systematic review. BMC Musculoskeletal Disorders. 2016;17(1):207. 

(32) Kingma JJ, de Knikker R, Wittink HM, Takken T. Eccentric overload training in patients with chronic Achilles tendinopathy: a systematic review. Br J Sports Med. 2007;41(6):e1-5. 

(33) Alfredson H, Pietila T, Jonsson P, Lorentzon R. Heavy-load eccentric calf muscle training for the treatment of chronic Achilles tendinosis. Am J Sports Med. 1998;26(3):360-6. 

(34) Habets B, van den Broek AG, Huisstede BMA, Backx FJG, van Cingel REH. Return to Sport in Athletes with Midportion Achilles Tendinopathy: A Qualitative Systematic Review Regarding Definitions and Criteria. Sports Med. 2018;48(3):705-23. 

(35) Nielsen RO, Buist I, Sorensen H, Lind M, Rasmussen S. Training errors and running related injuries: a systematic review. Int J Sports Phys Ther. 2012;7(1):58-75.