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EXPERTISE – BEHANDLUNGSSCHWERPUNKT

Iliotibiales-Band-Syndrom
(Tractus-iliotibialis-Syndrom)

Das Tractus-Iliotibialis-Syndrom ist eine Überlastungsverletzung, die Schmerzen auf der Kniegelenksaußenseite verursacht. Bei ausreichender sportmedizinischer Erfahrung ist dies eine häufige, und meist rein klinisch zu stellende Diagnose, die keiner Röntgen- oder MRT-Aunahme bedarf. Auch wenn es „nur eine Sehnenreizung” ist, sind die Beschwerden oftmals heftig und verhindern jedes weitere Training.


VIDEOREIHE – SCHMERZFREI LAUFEN MIT DR. MATTHIAS MARQUARDT

Folge 8/10

Läuferknie – Das Tractus-Syndrom. 



Synonyme

ITBS (iliotibial band syndrome), runner's knee, Tractusbeschwerden am Knie, Tractus-Syndrom 



Ähnlich lautende Begriffe

Tractusbeschwerden an der Hüfte, runner's knee, jumper's knee 



Differentialdiagnosen

Plica-Syndrom, Schaden des Außenmenisukus, Freier Gelenkkörper, Kniegelenksarthrose, Blockierung des Fibulaköpfchens 



Landläufiger Name

Läufer-Knie



Anatomie

Der Tractus iliotibialis ist ein derber bindegewebiger Faserzug, der am äußeren (lateralen) Oberschenkel vom Beckenkamm bis zur seitlichen Schienbeinkante verläuft und die Oberschenkel-Faszie verstärkt (Fascia lata).  In seinem Verlauf strahlen Ansatzfasern von großen Teilen des großen Gesäßmuskelsa (M. gluteus maximus) sowie des Schenkelbindenspanners (M. tensor fasciae latae) in den Tractus ein. Somit überträgt der Tractus die Kraft auf den Unterschenkel und unterstützt dadurch die Hüftstreckung und deren Außenrotation (Funktion des großen Gesäßmuskels), aber auch die Innenrotation (Hauptfunktion des Schenkelbindenspanners). Er ist außerdem maßgeblicher Stabilisator des Rumpfes und der unteren Extremität. Nach dem Zuggurtungsprinzip wird durch den Tractus ein großer Teil der Biegebeanspruchung des Oberschenkelknochens (Femurs) reduziert. (1) 

Funktionell gibt es potentielle Schwachpunkte, die besonderer mechanischer Belastung ausgesetzt sind: Im Bereich der äußeren Gelenkknorren des Oberschenkelknochens (laterale Femurkondyle) entsteht besonders bei leichter Kniebeugung ein erhöhter Druck, der zu einer Affektion und Überlastung bei wiederkehrenden Reizen führen kann. 

 


TRACTUS ILIOTIBIALIS

Verursacht das Läuferknie.

 Iliotibiales-Band-Syndrom,  Tractus-iliotibialis-Syndrom – Dr. Matthias Marquardt


Risikofaktoren, Stadien und Diagnostik

Viereinhalb. Das ist die Kilometerzahl, die Sarah (24) meist schmerzfrei laufen kann. Dann beginnt ihr rechtes Knie an der Außenseite zu schmerzen, stechend und mit jedem Schritt stärker, sodass es sie schließlich zum Gehen zwingt. Eine Bewegungsanalyse zeigt ein volles Paket an Risikofaktoren: Hüftabspreizerschwäche rechts, leichte X-Beine und außerdem ein deutliches Einknicken der Füße nach innen. Bereits die Umstellung auf einen Schuh mit Pronationsstütze schenkt Sarah einen guten Kilometer. Jetzt arbeitet sie an der Beinachsenstabilität und hat im besonderen Fokus den Hüftabspreizer. Außerdem stehen 3 Sitzungen Stoßwelle sowie tägliche Dehnung und Blackroll auf dem Programm, damit sie im Frühjahr wieder an der Startlinie stehen kann.


Epidemiologie

14% aller Läufer sind betroffen.

Wir wissen, wie das behandelt werden kann. Vereinbaren Sie einen Termin.

Das sogenannte iliotibiale Bandsyndrom (ITBS) ist eine häufige Verletzung. Es zählt zu den Überlastungsverletzungen. Hervorgehoben sei hier die Gruppe der Langdistanzläufer: Hier sind bis zu 14 % der Athleten von Tractusbeschwerden betroffen. (2, 3) In einigen Quellen wird sogar von der zweithäufigsten Läuferverletzung gesprochen. (4) Doch auch innerhalb anderer Sportlergruppen (laufintensive Ballsportarten, Rudern, Radfahren) ist das ITBS ein bekanntes Problem. 

 

In jedem Fall nimmt die Zahl der Betroffenen in den letzten Jahrzehnten zu, was nicht zuletzt daran liegen könnte, dass die Zahl an Läufern weltweit zunimmt.



Risikofaktoren

  • Reduzierte Länge des Tractus iliotibialis
  • Spannungszunahme des Schenkelbindenspanners
  • Schlechte neuromuskuläre Kontrolle
  • Schwäche der hinteren und seitlichen Hüftmuskulatur
  • Genua vara (O-Beine), aber auch Genua balga (X-Beine)
  • Verkürzung des Gluteus maximus und des Tensor fasciae latae
  • Tonus-Störung des gesamten Tractus mit Verhärtungen
  • Knick-Senk-Fuß (Pes planovalgus ) 
  • Blockierungen des Fibulaköpfchens

Entgegen früherer Annahmen eines Schnapp-Phänomens gehen Wissenschaftler heute davon aus, dass eine Druckerhöhung zwischen Tractus und der äußeren Femurkondyle zur Ausbildung des Tractus iliotibialis Syndroms führt: Erhöhter Druck sowie Reibung des Tractus an der lateralen Femurkondyle verursachen einen Reizustand des stark vaskularisierten (gut durchblutet) sowie mit Nervenfasern versorgten Fettgewebes zwischen Tractus selbst und Oberschenkelknochen. Es entstehen Schwellung und Schmerzen oberhalb des seitlichen Kniegelenkspaltes.  

Besonders hoch sei der Druck im betroffenen Bereich laut Untersuchungen in etwa 30°-Kniebeugung. (5)  

 

Eine Reihe von Faktoren erhöht den Druck im Bereich des distalen Tractus iliotibialis:  

  • O-Beinfehlstellung verlängern den Weg, den der Tractus zurückzulegen hat und erhöhen damit auch die entstehende Spannung.
  • Auch das mit einer vermehrten Innenrotation einhergehende X-Bein führt zu ähnlichen Problemen. Ein ähnlicher Mechanismus entsteht bei Verkürzungen der in den Tractus mündenden Muskulatur (M. gluteus maximus, M. tensor fasciae latae): Durch erhöhte Spannung der Muskulatur erhöht sich der Druck im vulnerablen Bereich um die den äußeren Oberschenkelknorren (laterale Femurkondyle) und das Risiko für eine Tractus-Reizung wächst.  
  • Ein Knick-Senk-Fuß führt kompensatorisch zu einer Ausgleichbewegung des Körpers in O-Bein-Richtung, was ebenfalls zu einer Druckerhöhung führt.
  • Starke muskuläre Dysbalancen sowie fehlende neuromuskuläre Kontrolle über die unteren Extremitäten aber auch im Rumpf- und Beckenbereich prädisponieren grundsätzlich für myofasziale Störungen und Reizzustände, da sie zu Überlastungen an eben solchen Schlüsselstellen führen. 
  • Eine besondere Rolle in der Entstehung des ITBS nimmt die Schwäche der seitlichen und hinteren Hüftmuskulatur ein. (6) Dies spiegelt sich auch in der Therapie wieder. Daher sollten im Training immer auch Kräftigung des Rumpfes und Stabi-Übungen auf dem Plan stehen (Laufkraft, Lauf-ABC, Rumpf etc.). 


Beschwerden

  • Schmerzen typischerweise vor allem beim Laufen
  • Schmerzen ab bestimmter Belastungsdauer, vor allem bei zyklischen Sportarten wie Laufen
  • Schmerzen aber auch bei Feldsportarten mit zunehmender Belastungsdauer
  • Hauptschmerz bei ca. 30–40° Kniebeugung

 

Typischerweise beginnen die Beschwerden nach einigen gelaufenen Kilometern und werden mit jedem gelaufenen Schritt schlimmer. (2) In der Akutphase zwingen die Schmerzen die Athleten dazu, die Belastung zu  beenden und können sogar in Ruhe bestehen. Besonders schmerzhaft ist die initiale Kniebeugung bei etwa 30-40°, provoziert durch dessen ständige Wiederholung etwa beim Laufen oder Radfahren. 



Stadien und Verlauf

Das ITBS kann in 4 Heilungs-Phasen (phases of recovery) (6) eingeteilt werden:

 

1. Acute (Akutphase): 3 Tage bis 1 Woche

2. Subacute (Subakutphase): 3 Tage bis 2 Wochen

3. Recovery strength (Kraftzuwachs-Phase): 1–6 Wochen

4. Return to running (Rückkehr zum Laufen): ab der 6. Woche

 

 

Diese Phasen dienen vor allem einer sinnvollen Strukturierung der Therapie und sind weniger an den Symptomen oder dem Schweregrad der Erkrankung orientiert.

 

HINWEIS: Die Praxis lehrt allerdings, dass trotz Aufbietung aller therapeutischer Möglichkeiten, schwierige Fälle durch aus über 3 Monate und länger zu Trainingsausfällen führen können. 



Diagnostik und Bildgebung

  • Druckschmerz im Verlauf des Tractus iliotibialis

  • Druckschmerz des Schenkelbindenspanners

  • Druckschmerz am äußeren Oberschenkelknorren

  • Positiver Ober-Test gibt Hinweis auf Tractus-Verkürzung  

 

Entscheidend sind, wie bei den meisten funktionellen Beschwerden, die typische Anamnese sowie die klinische Untersuchung. Hier zeigt sich ein typischer Druckschmerz im Bereich des äußeren Oberschenkelknorrens (laterale Femurkondyle) knapp oberhalb des Gelenkspaltes.

 

Unter sogenanntem Varus-Stress können die Beschwerden noch verstärkt werden: Varus-Stress ist ein Manöver des Untersuchers, in dem er versucht bei leichter Beugung im Kniegelenk den Unterschenkel gegen den fixierten Oberschenkel nach innen zu „biegen“ , das Kniegelenk also seitlich „aufzuklappen“ (Auf die Art und Weise wird auch die Stabilität des Außenbandes geprüft). In genau diese Richtung weicht übrigens auch der Unterschenkel beim O-Bein (Genu varum) ab. Das erklärt, warum die O-Bein-Fehlstellung ein Risikofaktor für diese Erkrankung ist.  

 

Mit dem sogenannten Ober-Test kann eine vermehrte Spannung des Schenkelbindenspanners (M. tensor faszia latae) und somit eine Verkürzung des Tractus iliotibialis festgestellt werden. Der Text wird in Seitlage durchgeführt. Das obere, im Kniegelenk gebeugte Bein wird vom Untersucher angehoben und langsam Richtung Unterlage herabgelassen. Schwebt das Bein in der Luft ist der Ober-Test postiv und es liegt eine vermehrte Spannung von Schenkelbindenspanner und Tractus iliotibialis vor. (3)  

 

Analog zu den benannten Sehnenerkrankungen können zusätzliche diagnostische Mittel die Diagnose stützen, sie sind allerdings bei klaren Fällen nicht zwingend notwendig: Mittels Ultraschall-Untersuchung kann ein Ödem bzw. der Reizzustand im Fettgewebe auffällig sein. Außerdem können benachbarte Sehnen beurteilt werden sowie ein Kniegelenkserguss, der auf einen Kniebinnenschaden hinweisen kann, ausgeschlossen werden. Selten ist, wie früher in der Literatur häufig beschrieben, ein Schleimbeutel zwischen Kniegelenksknorren  und Tractus entzündlich geschwollen sichtbar.  

 

Bei auffälliger und nicht eindeutiger klinischer Untersuchung (etwa positive Meniskuszeichen) oder unsicherer Trauma-Anamnese (z.B. Patient hat Knie leicht verdreht, Schmerzen sind zeitmäßig nicht klar zuzuordnen) kann es sinnvoll sein, eine MRT-Untersuchung zum Ausschluss eines Kniebinnenschadens (Kreuzbandriss, Meniskusschaden, Knorpelschäden) durchführen zu lassen. 

 

Bei fehlendem Trauma, fehlenden Zeichen auf einen Kniebinnenschaden (klinische Zeichen, Erguss) und klassischer Symptomatik kann auf diese weitere Diagnostik verzichtet werden. 

 

Hinsichtlich der Therapieplanung und der Detektion der Risikofaktoren ist eine Bewegungsanalyse allerdings unerlässlich. Diese sollte zuverlässig etwa das einseitige Absinken der Hüfte beim Laufen oder andere Defizite aufdecken können, denn daraus ergibt sich der wesentliche Therapieansatz.  



Therapieformen für Iliotibiales-Band-Syndrom

Sie gehören zu den 14 % der betroffenen Läufer? Mit diesem Wissen kriegen Sie den Tractus in den Griff und wir schicken Sie bald wieder schmerzfrei auf die Laufstrecke.


Therapie

Über 90% return to running innerhalb von 6–10 Wochen.

Dabei können wir Ihnen helfen. Vereinbaren Sie einen Termin.

Die Therapie des ITBS orientiert sich an den bereits genannten Heilungsphasen der Erkrankung und besteht im Wesentlichen aus: 

  • Manueller Therapie + Blackroll-Training
  • Gezielten Dehnübungen
  • Medikamentös: NSAR bishin zur Cortisoninjektion
  • Gezielten Kräftigungsübungen
  • Gangschule bzw. Lauftechniktraining 

 

1. Acute (Akutphase): 3 Tage bis 1 Woche

2. Subacute (Subakutphase): 3 Tage bis 2 Wochen

3. Recovery strength (Kraftzuwachs-Phase): 1–6 Wochen

4. Return to running (Rückkehr zum Laufen): ab der 6. Woche

 

 

1. Akutphase


In der Akutphase der Erkrankung stehen passive Therapieverfahren im Vordergrund. Manualtherapeutische Techniken zur Lösung myofaszialer Funktionsstörungen des Tractus selbst sowie des Quadrizeps, Bizeps femoris sowie der Glutealmuskulatur. (7) Unterstützend wird eine medikamentöse  Behandlung mit Entzündungshemmern wie z.B. Ibuprofen oder Diclofenac (NSAR =Cortisonfreie Rheumamittel) durchgeführt sofern keine Gegenanzeigen bestehen. Außerdem kann lokal mit Eis behandelt werden. Auch die Iontophorese, ein Verfahren, bei welchem mittels galvanischen Stroms Wirkstoffe dem betroffenen Bereich durch die Haut zugeführt werden, kann die Therapie in entzündungshemmender und schmerzhemmender Absicht ergänzen.

 

Außerdem sollte bereits mit der Gangschule begonnen werden. (8) Studien haben gezeigt, dass eine mangelnde Hüftstabilisation zu einer funktionellen Varus-Stellung (O-Bein-Abweichung) führen kann - ein Risikofaktor zur Entwicklung eines Tractus-Syndroms. (9) 

Essentiell für den Therapieerfolg ist also auch die Analyse der Lauftechnik: Hier können eben beschriebene Abweichungen, Dysbalancen und mangelnde Stabililtät detektiert werden. Das ist unerlässlich, um spezifisch die auslösenden Faktoren angehen zu können.

 

 

2. Subakutphase

 

In der Subakutphase steht insgesamt das Stretching im Vordergrund. Wenn der lokale Druckschmerz noch nicht rückläufig ist, können zusätzlich ultraschallgesteuerte  Cortisoninjektionen (10) in Erwägung gezogen werden. (CAVE in Sehnennähe) Außerdem werden Blackroll-Training sowie manualtherapeutische Techniken zur weiteren Reduktion der passiven Spannung des Tractus durchgeführt.

 

 

3. Recovers-Strength Phase


Die recovery-strength Phase ist durch deutlich gebesserte oder bereits abgeklungene Symptome sowie deutlich verringerte fasziale Adhäsionen (Verklebungen) gekennzeichnet. Nun steht das Wiedererlangen der Kraft im Fokus. Vor allem ein spezifisches Training des M. gluteus medius zur Hüftstabilisierung wird bei bestehendem Defizit durchgeführt, um ein Abkippen der Hüfte beim Laufen, sowie die kompensatorische O-Bein-Stellung zu verhindern. Zusätzlich sollten ebenfalls die Außenrotatoren der Hüfte und damit auch der Gluteus maximus trainiert werden (bei männlichen Läufern wurde eine erhöhte Rate an zu stark innenrotierenden Hüften gefunden). Außerdem fördern einbeinige Kniebeugen, ggf. mit Theraband und Kniebeugen mit geflosstem Bein [(Bild)] zusätzlich die neuromuskuläre Kontrolle. (6)


 

4. Return-to-Running Phase


In der sogenannten return-to-running Phase steht das Lauttraining auf dem Programm. Die Phase zeichnet sich dadurch aus, dass alle Kräftigungs-Übungen schmerzfrei und sauber ausgeführt werden können. Jeden 2. Tag sollte dann eine Laufeinheit mit Fokus auf der richtigen Lauftechnik durchgeführt werden. In den ersten 2 Wochen dieser Phase sollte auf Bergablaufen verzichtet werden. (6)

Teil der Technikmodulation kann unter anderem die Modulation der Schrittfrequenz sein: In einer Studie konnte durch eine (zusätzlich zur gezielten Kräftigung und Stretching durchgeführten) Erhöhung der Schrittfrequenz um 5 % gegenüber der „Wohlfühschrittfrequenz“ eine Verbesserung der Knieschmerzen erreicht werden. Hierbei handelte es sich allerdings um Fallstudien mit geringer Stückzahl, eine feste Empfehlung kann daraus sicher nicht  abgeleitet werden. (11) 

 

Bei Versagen der konservativen Therapie kommen operative Vorgehen zur Anwendung. Am meisten verbreitet ist die arthroskopische Technik, mittels welcher von intraartikulär (innerhalb des Gelenkes: die Gelenkkapsel wird eröffnet) ein lateraler Rezessus (seitliche Aussackung der Kapsel) im Bereich der lateralen Femurkondyle entfernt wird. Dieser Ansatz bietet den Vorteil der möglichen Diagnostik bzw. ggf. direkten Therapie intraartikulärer Verletzungen (z.B. Knorpel- oder Meniskusschaden). (12) 

Eine weitere operative Möglichkeit ist die chirurgische Schleimbeutelentfernung (Bursektomie). Diese ist ohne Eröffnung des Gelenkes möglich. Aussagekräftige Vergleiche zwischen beiden Verfahren gibt es bisher nicht. Beide Methoden zeigen gute Return-to-sport Raten nach etwa 3-4 Monaten. (13) 

  

 

Fünf Pfeiler in der primären ITBS-Therapie:

  1. Diagnostik inklusive Bewegungsanalyse (Lauftechnik, Schuhwerk ggf. Einlagen)
  2. Laufpause, Physiotherapie, Stoßwellentherapie und antientzündliche Medikamente in der Akutphase

  3. Stretching und Kräftigung ab Subakutphase

  4. Beginn der Gang- und Lauftechnikschulung so früh wie möglich mithilfe neuromuskulären Trainings 


Dr. Matthias Marquardt - Stoßwellentherapie

Mehr Informationen zur Stoßwellentherapie finden Sie hierWenn Sie weitere Fragen habe, beraten wir Sie gerne in unserer Video-Sprechstunde oder in unserer Praxis.



Prognose

  • Überlastungserkrankung mit insgesamt sehr guter Prognose
  • Konservativ: Return to running bei über 90% innerhalb der ersten 6–10 Wochen
  • Operativ: Therapieresistente Fälle mit hoher Zufriedenheit nach operativer Versorgung

Mit adäquater konservativer Strategie lässt sich das ITBS in der Regel sehr gut beherrschen. Einige Studien sowie die klinische Erfahrung in der Sportpraxis zeigen, dass innerhalb von 6-10 Wochen die Rückkehr zum Laufen in deutlich über 90% zu erreichen ist. (9)


Beschwerden, die sich über 6 Monate auf diesem Wege nicht beherrschen ließen, wurden bei Patienten mittels operativer Bursektomie oder arthroskopischer Resektion des lateralen Rezessus adressiert: In 97 % der Fälle konnte ein exellentes bzw gutes funktionelles Ergebnis erzielt werden. Dies setzt aber voraus, dass es sich um eine operativ therapierare Diagnose handelt. In den allermeisten Fällen liegt das Problem in der Zunahme der myofaszialen Spannung, die operativ nicht sinnvoll zu reduzieren ist. (12)


Es gilt unverändert: Konservativ vor operativ! Achten Sie auf die sportmedizische Erfahrung Ihres Behandlers. Und lassen Sie bei schnellen Operationsempfehlungen vorsicht walten. Eine Zweitmeinung ist in diesen seltenen Fällen sicher angezeigt.



Tipp von Dr. Marquardt

Ein Läufer-Check-Up lohnt sich immer.

 

Eine Bewegungsanalyse ist natürlich nicht nur sinnvoll für Verletzte. Warum es erst dazu kommen lassen, wenn man frühzeitig und präventiv an seinen muskulären sowie Technik-Defiziten arbeiten kann? 

 

Schon gewusst?

Der große Gesäßmuskel (M. gluteus maximus) ist der größte Muskel des menschlichen Körpers (bezogen auf seinen Durchschnitt). Zusätzlich ist er auch einer der kräftigsten. Unerlässlich ist dieser Muskel für unseren aufrechten Gang: In der Standphase ist er der wichtigste Hüftstrecker und verhindert das Abkippen des Beckens nach vorne. Das ist übrigens der Grund, warum dieser Muskel bei vierfüßigen Säugetieren nicht ansatzweise so kräftig ausgebildet ist. Was aber oft vergessen wird: Der große Gesäßmuskel rotiert auch die Hüfte nach außen und spielt daher eine entscheidende Rolle in der Therapie des Tractus iliotibialis-Syndroms.



Übungsprogramm

Neben den ärztlichen und therapeutischen Behandlungen können Sie sich auch selbst um die effektive Heilung Ihrer Beschwerden kümmern. Sie finden hier die Auswahl der besten Übungen von Dr. Marquardt und seinem Therapeutenteam:


ÜBUNG 1

Flossing des Knies & des Oberschenkels

Wickeln Sie Ihr Knie beginnend von der oberen Wade her und fangen immer herzfern an. Sie geben den Zug einseitig auf die Außenseite des Kniegelenks, halten den Zug und lassen den Zug locker um das Knie weiter auslaufen. Decken Sie die komplette Haut ab. Die letzte Umwicklung führen Sie locker durch und stecken das Band fest unter die letzte Lage. Gehen Sie zuerst ein paar Schritte, um auszuschließen, dass Sie kein Gefäß abgeschnürt haben und Ihre Zehen blau anlaufen. Führen Sie nun die Kniebeugen durch. Wickeln Sie das Band zügig ab und stellen sich locker auf das Bein, damit das Blut - wie ein Wasserfall - in das Bein und den Fuß zurückfließen kann.

 

Um den gesamten Tractus zu flossen, wickeln Sie das Knie und den Oberschenkel in mehreren Abschnitten, jeweils immer zum Herzen hin.

 

Wiederholungsanzahl:

4 - 6 x 15



ÜBUNG 2

Kräftigung der Abduktoren mit Theraband

Führen Sie einen großen Ausfallschritt nach vorne durch. Das Knie ist von einem Theraband umwickelt. Der Zug auf das Knie wird von innen erfolgen.

und soltel deutlich spürbar sein.

Das hintere Knie wird gebeugt, aber nicht auf dem Boden abgesetzt. Die Fußzehen des vorderen Beines sind durchgehend vor dem Knie zu sehen. Führen Sie nun einbeinige Kniebeugen durch ohne den Zug des Bandes nachzulassen.

 

Wiederholungsanzahl:

3 x 15



ÜBUNG 3

Kräftigung der Abduktoren in Seitstützlage

Positionieren Sie sich im Unterarmstütz seitlings. Heben Sie das Gesäß vom Boden. Es entsteht eine Linie zwischen Füßen und Oberkörper, das Becken ist senkrecht nach oben gerichtet. Spreizen Sie das obere Bein ab und halten Sie diese Position.  Achten Sie darauf, dass die Hüfte des oberen Beines durch kräftiges Anspannen der Gesäßmuskulatur gestreckt bleibt. Drehen Sie die Ferse des oberen Beines leicht nach außen. Die Zehen zeigen nach innen und sind angezogen. Bei einem senkrecht stehenden Becken, das nicht nach hinten abgekippt, heben Sie das abgespreitze Bein weiter nach oben und in die Ausgangsposition zurückgeführt.

Zur Steigerung der Intensität kann kann ein MIniband knapp oberhalb des Knies angelegt werden.

Wiederholungszahl: 3 x 12–15



ÜBUNG 4

MFR Tractus iliotibialis

Nehmen Sie die Position des „Seitstütz” ein und platzieren Sie die Blackroll unter Ihrem seitlichen Oberschenkel. Verlagern Sie Ihr Gewicht auf die Blackroll. Fuß und Unterarm sollten nur zum Halten des Gleichgewichts auf dem Boden abgelegt werden. Das obere Bein wird in Knie-und Hüftgelenk zu 90° angewinkelt, der Fuß des oberen Beins wird auf dem Boden abgestellt.

 

Zur Verstärkung der Intensität beide Beine zusammen auf der Blackroll platzieren.

Wiederholungsanzahl:

10 x vor- und zurückrollen bzw. 1–2 Min. rollen



Weiterführenden Infos

Eine gute Trainingsplanung ist entscheidend für Ihr effektivstes Training und zum Vorbeugen von Verletzungen. Hier finden Sie weitere hilfreiche Quellen oder Sie machen einfach einen Termin in unserer Praxis. Wir helfen Ihnen gerne.


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Behandlung

Vereinbaren Sie mit uns einen Termin.

Wir helfen Ihnen kompetent und mit neusten Behandlungstechniken, damit Ihre Verletzung bald der Vergangenheit angehört.

Gute Besserung.



QUELLEN

(1) Schünke M, Schulte E, Schumacher U, Voll M, Wesker K. Prometheus Allgemeine Anatomie und Bewegungssystem, 2. überarbeitete und erweiterte Auflage. Thieme, Stuttgart, NewYork, S; 2014.

(2) Louw M, Deary C. The biomechanical variables involved in the aetiology of iliotibial band syndrome in distance runners - A systematic review of the literature. Phys Ther Sport. 2014;15(1):64-75.

(3) Becher C, Camathias C, Cook J, Doral MN, Eder K, Engelhardt M, et al. Die Sehne: Leitfaden zur Behandlung von Sehnenpathologien: Walter de Gruyter GmbH & Co KG; 2017.

(4) Aderem J, Louw QA. Biomechanical risk factors associated with iliotibial band syndrome in runners: a systematic review. BMC Musculoskelet Disord. 2015;16:356.

(5) Orchard JW, Fricker PA, Abud AT, Mason BR. Biomechanics of iliotibial band friction syndrome in runners. Am J Sports Med. 1996;24(3):375-9.

(6) Baker RL, Fredericson M. Iliotibial Band Syndrome in Runners: Biomechanical Implications and Exercise Interventions. Phys Med Rehabil Clin N Am. 2016;27(1):53-77. 

(7) Fredericson M, Guillet M, Debenedictis L. Innovative solutions for iliotibial band syndrome. Phys Sportsmed. 2000;28(2):53-68. 

(8) Earl JE, Monteiro SK, Snyder KR. Differences in lower extremity kinematics between a bilateral drop-vertical jump and a single-leg step-down. J Orthop Sports Phys Ther. 2007;37(5):245-52. 

(9) Fredericson M, Cookingham CL, Chaudhari AM, Dowdell BC, Oestreicher N, Sahrmann SA. Hip abductor weakness in distance runners with iliotibial band syndrome. Clin J Sport Med. 2000;10(3):169-75. 

(10) Gunter P, Schwellnus MP. Local corticosteroid injection in iliotibial band friction syndrome in runners: a randomised controlled trial. Br J Sports Med. 2004;38(3):269-72; discussion 72. 

(11) Allen DJ. Treatment of distal iliotibial band syndrome in a long distance runner with gait re-training emphasizing step rate manipulation. Int J Sports Phys Ther. 2014;9(2):222-31. 

(12) Michels F, Jambou S, Allard M, Bousquet V, Colombet P, de Lavigne C. An arthroscopic technique to treat the iliotibial band syndrome. Knee Surg Sports Traumatol Arthrosc. 2009;17(3):233-6. 

(13) Hariri S, Savidge ET, Reinold MM, Zachazewski J, Gill TJ. Treatment of recalcitrant iliotibial band friction syndrome with open iliotibial band bursectomy: indications, technique, and clinical outcomes. Am J Sports Med. 2009;37(7):1417-24.